
von Georg Lohmann
Ein Grund zum Feiern! Und das haben Bewohnende zusammen mit rund 200 Gästen aus der Region ausgiebig getan. Zusätzlich zu den Gästen eines wie meistens vollem Seminarwochenendes waren neben Ehemaligen, Mitarbeitenden, Freunden und Freundinnen aus der Region sowie einigen Nachbarn waren auch Bürgermeister Pulz, Pfarrerin Moldenhauer und mehrere Stadtverordnete am Nachmittag des 12.September 26. gekommen und erlebten neben Kaffee und Kuchen ein reichhaltiges Festprogramm.
Im September 1991 waren rund 80 neue Bürgerinnen und Bürger „einem Wessi-Ufo gleich“, wie eine Rednerin sich ausdrückte, in Belzig gelandet (damals noch ohne ‚Bad‘) . Sie hatten von der Treuhand das ehemalige Stasi-Gelände gekauft und wollten dort ein ‚Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung‘ aufbauen – für diese sperrigen Begriffe steht die Abkürzung ZEGG. In den ersten Jahren wurden sie eher skeptisch beäugt und zum Teil auch bekämpft. Doch im Lauf der Jahrzehnte hat sich der Ruf gründlich gewandelt. Ein wichtiger Ort mit großer kultureller und sozialer Strahlkraft für die Region sei das ZEGG geworden, sagte der Bürgermeister in seiner Rede und betonte, dass das ZEGG durch seine vielen Gäste mittlerweile auch wirtschaftlich ein Faktor sei, und Arbeitgeber für rund 25 Menschen, die nicht im ZEGG leben. Er lobte er auch speziell die gute Zusammenarbeit der ZEGG- Betriebsfeuerwehr (offiziell: ‚Löschgruppe‘) mit der Belziger Freiwilligen Feuerwehr, als ehemaligem Feuerwehrmann sei ihm das wichtig.

v.l.n.r. Bürgermeister Dr. Robert Pulz, Rotraud Rospert, Kati Magyar
Es gab viel Musik, von Musizierenden aus dem ZEGG und dem Freundeskreis. Eine ‚Brassband‘ (Blechinstrumente) spielte und viele bekannte und auch unbekannte Lieder kamen auf der kleinen -Bühne zur Aufführung. Und neben weiteren Wortbeiträgen und kleinen Theaterstücken war Zeit für Kontaktpflege und Plauderei. „Kaffee und Kuchen“ halt – mit den mittlerweile geradezu berühmt gewordenen O-Love-Kuchen.
Im großen Raum der ‚Sendi‘, dem Verwaltungsgebäude, war eine Ausstellung aufgebaut zu den verschiedenen Stationen der ZEGG-Geschichte, und eine Lichtbild-Show dazu lief in Dauerschleife. Als die Bilder am späten Nachmittag einmal vom Fotografen ‚live‘ kommentiert wurden, war das Interesse besonders groß. Auf einer großen Tafel hatten Bewohnende in akribischer Kleinarbeit die vielfältige Vernetzung des ZEGG mit anderen Initiativen, Vereinen, Betrieben oder anderen Gemeinschaften optisch ansprechend dargestellt. Und – last, but not least – auch für die Kinder gab es ein vielfältiges Programm.

Barbara Stützel und Zisula Cordaches
Als gegen 18 Uhr die Festveranstaltung für beendet erklärt wurde, gab es bei einigen lange Gesichter, weil sie gerne länger geblieben wären. Doch für die ZEGG-Bewohnenden war das Fest Auftakt zur alljährlichen ‚September-Intensivzeit‘ der Gemeinschaft, für die noch einiges umgeräumt werden musste. Und so endete das Fest nach gut vier Stunden von intensiven Kultur-, Informations- und Begegnungsräumen – und ging für die Bewohnenden weiter mit der Frage, wie die nächsten 35 Jahre gestaltet werden können.
