Sommercamp im ZEGG in Bad Belzig Juli 2025
Fußballspielen beim Sommercamp 2025 (Foto: Finnegan Koichi Godenschweger)

„Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“

Dieses bekannte afrikanische Sprichwort wird immer wieder zitiert, um deutlich zu machen: Bildung und Erziehung sind keine Sache allein der Eltern oder der Schule. Ein Kind braucht die Erziehungsberechtigten, aber auch die Nachbarschaft; es braucht den Staat, aber auch die Gesellschaft. Denn Kinder wachsen in Beziehungen auf. Sie werden geprägt von den Menschen, die sie begleiten, von den Orten, an denen sie leben, von Begegnungen, Herausforderungen, schönen Momenten, gesellschaftlichen Normen und von der Gemeinschaft, die sie umgibt.

Im ZEGG bewegt uns seit vielen Jahren die Frage, wie Kinder in einem gemeinschaftlichen Umfeld aufwachsen können. Wir erleben Kinder nicht als „zukünftige Erwachsene“, sondern als eigenständige Menschen mit ihrer ganz eigenen Sicht auf die Welt. Sie bereichern das Gemeinschaftsleben mit ihrer Neugier, ihrer Lebendigkeit, ihrer Direktheit und ihrer Fähigkeit, uns immer wieder daran zu erinnern, was wirklich wichtig ist.

Deshalb wünschen wir uns eine Kultur, in der Kinder nicht nur mitgedacht werden, sondern selbstverständlich dazugehören. Eine Kultur, in der ihre Bedürfnisse und Perspektiven Raum haben, in der sie willkommen und sicher sind und erfahren, dass ihre Stimme zählt.

Sommercamp im ZEGG in Bad Belzig Juli 2025
Eisessendes Kind beim Sommercamp 2025 (Foto: Finnegan Koichi Godenschweger)

In der Präambel unseres institutionellen Kinderschutzkonzeptes steht: „Im ZEGG sollen Kinder und Jugendliche einen geschützten Raum für Entwicklung, Bildung und Gemeinschaft erfahren. Schließlich versteht sich das ZEGG als Lern-, Begegnungs- und Lebensort. Daher ist uns das ganzheitliche Aufwachsen von Kindern sowie die bewusste und unterstützende Begleitung von Kindern und Jugendlichen ein zentrales Anliegen. Dies trägt nicht nur zu einer nachhaltigen Gesellschaftsentwicklung bei, sondern stärkt auch das Vertrauen in gemeinschaftliche Lebensformen. Der verbindliche Schutz Minderjähriger ist für uns eine grundlegende Verantwortung, für den wir uns aktiv einsetzen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor jeglicher Form von Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung hat oberste Priorität.“

Kinder Aufwachsen im ZEGG

Das Kinderaufwachsen im ZEGG hat sich im Laufe der Jahre verändert. Während in den Anfangszeiten des Projekts zeitweise andere Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens und der Kinderbegleitung erprobt wurden, leben Kinder heute mit ihren Eltern oder einem Erziehungsberechtigten als engsten Bezugspersonen in Wohngemeinschaften und erfahren dort Verlässlichkeit, Geborgenheit und eine enge Bindung.

Ein wichtiger Ort für Kinder und Familien ist das Kinderhaus. Dieses wird von der Gemeinschaft zur Verfügung gestellt und bietet Raum zum Spielen, Entdecken, Basteln, Lesen und Zusammensein. Für unsere Teenager gibt es zudem einen Jugendraum. Beide stehen unseren jüngeren Mitbewohner*innen jederzeit offen.

Kinderzeit 2020
Kissenschlacht im Kinderhaus während der Kinderzeit 2020 (Foto aus dem ZEGG Archiv)

Gleichzeitig eröffnet der gesamte ZEGG-Platz mit seinen Wiesen, Wegen, Bäumen und Freiräumen vielfältige Möglichkeiten für selbstbestimmtes Spiel, Bewegung und Naturerfahrung.

Wir erleben immer wieder, wie bereichernd es für Kinder sein kann, in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem sie Menschen unterschiedlichen Alters begegnen, verschiedene Lebensweisen kennenlernen und Gemeinschaft als etwas Lebendiges erfahren. Neben ihren Eltern können Gleichaltrige und andere Erwachsene zu wichtigen Bezugspersonen werden. So entsteht ein Beziehungsnetz, das Kindern Orientierung, Verbundenheit und das Gefühl geben kann, Teil eines größeren Ganzen zu sein.

Aktuell leben etwa zehn Kinder im ZEGG. Damit sind wir keine große Kindergemeinschaft. Gleichzeitig erleben wir die Kinder als einen wichtigen und wertvollen Teil unseres Gemeinschaftslebens. Ihr Lachen, ihre Fragen, ihre Ideen und ihre Anwesenheit prägen den Alltag auf besondere Weise. Kinder bringen Zukunft in die Gemeinschaft. Sie laden uns ein, Verantwortung zu übernehmen, aufmerksam zu bleiben und unser Zusammenleben immer wieder neu zu gestalten.

Kekse Backen
Gemeinschaftliches Kecksebacken 2025 (Foto aus dem ZEGG Archiv)

Mit Kind im ZEGG wohnen

Auch für Eltern und andere Erziehungsberechtigte bietet das Leben in Gemeinschaft besondere Möglichkeiten. Kinder großzuziehen gehört zu den schönsten und zugleich herausforderndsten Aufgaben des Lebens. Im Alltag tut es gut, Erfahrungen teilen zu können, Unterstützung zu finden und sich mit anderen Eltern und Gemeinschaftsmitgliedern auszutauschen. Oft entstehen ganz selbstverständlich Momente gegenseitiger Hilfe: Jemand hat ein offenes Ohr, übernimmt einmal eine Betreuung oder bringt neue Impulse und Sichtweisen ein.

Zu erleben, dass Verantwortung für Kinder nicht ausschließlich auf den Schultern einzelner Erwachsener liegt, sondern von einem größeren sozialen Umfeld mitgetragen wird, kann entlastend und stärkend sein.

Gleichzeitig bringt das Leben in Gemeinschaft auch Herausforderungen mit sich. Gemeinschaft lebt von Beteiligung. Treffen, Arbeitsbereiche, Gemeinschaftsveranstaltungen und gemeinsame Entscheidungsprozesse benötigen Zeit, Aufmerksamkeit und Engagement – Ressourcen, die besonders für Familien oft ohnehin knapp sind.

Hinzu kommt, dass das ZEGG nicht nur Wohnort, sondern zugleich ein lebendiger Bildungs- und Veranstaltungsort ist. Jährlich besuchen viele tausend Gäste den Platz; insgesamt verzeichnen wir rund 16.000 Übernachtungen. Seminare, Festivals, Camps und Tagungen schaffen vielfältige Begegnungen und machen das ZEGG zu einem lebendigen Ort. Gleichzeitig bedeutet dies für Familien, ihren Alltag in einem Umfeld zu gestalten, das immer wieder von neuen Menschen und wechselnden Dynamiken geprägt ist.

Einer der Schwerpunkte des ZEGG liegt in der Erforschung und Gestaltung von Gemeinschaft, Beziehungen und Liebe. Viele Menschen kommen hierher, um sich mit Fragen des menschlichen Miteinanders, von Partnerschaft und persönlicher Entwicklung auseinanderzusetzen. Für Familien bedeutet dies, Teil eines Umfeldes zu sein, das zwischenmenschliche Themen bewusst reflektiert und offen über Beziehungsgestaltung spricht. Zugleich erfordert es immer wieder Aufmerksamkeit, die Bedürfnisse von Kindern, Eltern, Gästen und Gemeinschaft in einen guten Ausgleich zu bringen.

Als Elternteil im ZEGG zu leben bedeutet die fortwährende Aufgabe, die eigenen Bedürfnisse mit denen der Kinder, einer Partnerschaft und der Gemeinschaft in Einklang zu bringen – etwas, das nicht immer leichtfällt und manchmal herausfordernd sein kann.

Dennoch erleben viele von uns die Vorteile als groß: Kinder wachsen in einem lebendigen sozialen Umfeld auf, erleben unterschiedliche Bezugspersonen und finden vielfältige Möglichkeiten zum Spielen, Lernen und Entdecken. Eltern sind mit ihren Fragen und Herausforderungen weniger allein und können auf die Erfahrungen und Unterstützung anderer zurückgreifen. So entsteht ein Netz von Beziehungen, das tragen kann – nicht als perfekte Lösung, sondern als gelebte Praxis gegenseitiger Fürsorge.

Sommercamp im ZEGG in Bad Belzig Juli 2025
Ein Kind der Gemeinschaft beim spielen während des Sommercamp 2025 (Foto: Finnegan Koichi Godenschweger)

Als Familie ins ZEGG einsteigen Auch der Einstieg in eine bestehende Gemeinschaft ist nicht immer einfach. Beziehungen brauchen Zeit, Vertrauen wächst Schritt für Schritt und jede Familie bringt ihre eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Lebensrealitäten mit. Der mehrjährige Aufnahme- und Kennenlernprozess in die ZEGG-Gemeinschaft kann insbesondere für Familien herausfordernd sein. Dies ist einer der Gründe, warum derzeit nur wenige neue Familien mit Kindern zu uns ziehen.

Gleichzeitig wünschen wir uns, dass künftig wieder mehr Kinder und Familien im ZEGG leben. Deshalb beschäftigen wir uns derzeit mit der Frage, wie neue und familienfreundlichere Einstiegswege aussehen können. Ziel ist es, den Zuzug von Familien zu erleichtern und unsere Gemeinschaft für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zugänglicher zu machen. Erste Veränderungen und neue Möglichkeiten zeichnen sich nach heutigem Stand voraussichtlich ab 2028 ab.

Wir freuen uns über jede Familie und jedes Kind, die das Leben im ZEGG mitgestalten. Denn Kinder sind nicht nur Teil der Gemeinschaft – sie tragen wesentlich dazu bei, dass Gemeinschaft lebendig bleibt. Besonders sichtbar wird dies bei unseren Camps, Festivals und Großveranstaltungen, wenn viele Kinder den Platz mit Leben, Spiel und Neugier füllen und das ZEGG zeitweise wieder zu einem kleinen Dorf voller junger Menschen wird.

Sommercamp im ZEGG in Bad Belzig Juli 2025
Gemeinsames Kartenspiel beim Sommercamp 2025 (Foto: Finnegan Koichi Godenschweger)

Kinderschutzkonzept

Gemeinschaft bedeutet für uns nicht nur Verbundenheit und gegenseitige Unterstützung, sondern auch Verantwortung. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen Räume, in denen sie sich sicher fühlen, ernst genommen werden und sich frei entwickeln können. Die Grundhaltung, die unserem Kinderschutzkonzept zugrunde liegt, ist deshalb seit vielen Jahren Teil unserer gelebten Praxis. Mit der Entwicklung eines institutionellen Kinderschutzkonzepts haben wir diese Haltung sichtbar gemacht und verbindlich festgehalten.

Das Kinderschutzkonzept beschreibt unsere Werte, Präventionsmaßnahmen und Handlungswege und unterstützt uns dabei, eine Kultur der Achtsamkeit, des Respekts und der Verantwortung bewusst weiterzuentwickeln. Alle im ZEGG lebenden Menschen sowie alle angemeldeten Gäste unserer Veranstaltungen verpflichten sich, die darin festgehaltenen Grundsätze und Vereinbarungen zu achten und mitzutragen.

Zum Kinderschutzkonzept

Für Fragen, Anliegen oder Hinweise steht unsere Kinderschutzbeauftragte als Ansprechperson zur Verfügung.

Wir benutzen Cookies
Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (z.B. Statistik & Sprachwahl). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.