Neue Handlungsspielräume für das ZEGG

Der Transformationsprozess bringt Bewegung ins ZEGG – nicht nur in unseren Gesprächen über die Zukunft, sondern ganz praktisch im Alltag. Eine dieser Veränderungen ist der Aufbau der Fördermittelakquise. Denn vieles von dem, was das ZEGG heute ausmacht, ist über Jahrzehnte gewachsen: unsere Bildungsarbeit, das gemeinschaftliche Leben, ökologische Projekte und kulturelle Angebote. Gleichzeitig fragen wir uns: Was möchte durch das ZEGG in die Welt kommen? Und welche Voraussetzungen braucht es dafür?
Fördermittel können helfen, gute Ideen Wirklichkeit werden zu lassen. Sie eröffnen Wege, Bewährtes zu stärken und Neues zu ermöglichen. So wächst – das ist unsere Hoffnung – Schritt für Schritt der Handlungsspielraum des ZEGG: für Initiativen, die unsere bestehende Arbeit vertiefen, ebenso wie für Projekte, die bisher an finanziellen Grenzen scheiterten.
In den vergangenen Monaten haben wir dafür die ersten Strukturen aufgebaut und eine neue Stelle geschaffen. Mittlerweile wurden zahlreiche Förderanträge entwickelt und eingereicht. Fördermittelakquise bedeutet dabei, Hoffnung und Unsicherheit gleichermaßen auszuhalten. Jeder Antrag beginnt mit der Frage: Was könnte möglich werden? Gemeinsam mit den Verantwortlichen entstehen aus ersten Ideen tragfähige Projekte. Kooperationen wachsen, aus ersten Impulsen werden konkrete Vorhaben. Gleichzeitig braucht dieser Weg Geduld. Zwischen Antrag und Entscheidung liegen oft viele Monate, und auch gute Projekte werden nicht immer gefördert. Absagen gehören dazu – sie sind selten ein Urteil über die Qualität einer Idee. Vielmehr zeigen sie, wie viele Menschen sich mit Kreativität und Engagement für eine lebenswerte Zukunft einsetzen. Das verbindet uns mit vielen Initiativen, die – jede auf ihre Weise – an einer enkeltauglichen Welt mitwirken. Für uns heißt das: weiterlernen, den Blick nach vorne richten und aufmerksam bleiben für das, was möglich werden möchte.
Die ersten Erfahrungen machen Mut. Im vergangenen Jahr konnten wir mit einer Förderung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) erste Schritte gehen und wertvolle Praxis sammeln. Vor wenigen Tagen erreichte uns dann die Zusage der Deutschen Postcode Lotterie, die eins unser Projekte mit 30.000 Euro unterstützt. Nach vielen Monaten des Entwickelns, Schreibens und Wartens war das ein Moment großer Freude. Solche Meilensteine schenken Zuversicht und zeigen, dass sich Ausdauer lohnt.
Mit dieser Zuversicht richten wir den Blick auf zwei Vorhaben, die uns besonders am Herzen liegen. Gemeinsam umfassen sie ein Investitionsvolumen von rund 680.000 Euro. Wir hoffen dafür auf Förderzusagen in Höhe von knapp 300.000 Euro. Ende April durften Teams aus dem ZEGG unsere beiden LEADER-Projekte vor den regionalen Auswahlgremien vorstellen. Das war für viele von uns Neuland. Es ging nicht allein um Bauvorhaben oder Investitionen. Wir waren eingeladen zu zeigen, welchen Beitrag diese Projekte für die Region leisten – und warum das ZEGG ein Ort ist, an dem Bildung, ökologische Entwicklung und Gemeinschaft zusammenwirken. Die Offenheit und Wertschätzung in den Gesprächen haben uns sehr ermutigt. Nun heißt es wieder: geduldig warten.

Das erste Projekt widmet sich unserem Garten. Seit über 30 Jahren verbindet er ökologische Landwirtschaft, Bildung und gemeinschaftliche Versorgung. Tag für Tag arbeiten hier Menschen Hand in Hand, um gesunde Lebensmittel zu erzeugen und Wissen weiterzugeben. Rund 35 Tonnen Gemüse wachsen jedes Jahr für unsere Küche. Zugleich ist der Garten Lernort, Ausbildungsbetrieb und Erprobungsfeld für nachhaltigen Anbau. Mit einem Jungpflanzengewächshaus, einem Folientunnel und einer ressourcenschonenden Bewässerung möchten wir diese Arbeit zukunftsfähig aufstellen.

Im zweiten Projekt geht es um unsere Aula – einen Ort, mit dem viele Menschen besondere Erinnerungen verbinden. Hier wird gelernt, gefeiert, getanzt, diskutiert, musiziert und Gemeinschaft erlebt. Zugleich ist sie ein wichtiger Veranstaltungsort, der Menschen aus der gesamten Region mit dem ZEGG verbindet. Mit einer energetischen Sanierung und der naturnahen Gestaltung des Innenhofs möchten wir diesen Ort für die kommenden Jahrzehnte erhalten und weiterentwickeln. Gerade an diesen Projekten wird deutlich, wie unterschiedliche Formen der Unterstützung ineinandergreifen. Viele Förderprogramme übernehmen nur einen Teil der Kosten; den verbleibenden Eigenanteil trägt das ZEGG selbst. Das Fundraising beim Pfingstcamp hat bereits dazu beigetragen, einen Teil der Eigenmittel für die Sanierung der Aula aufzubringen. Auch auf dem jetzt stattfindenden Sommercamp wird eine weitere Spendenaktion dazu beitragen. So ergänzen sich Fördermittelakquise, Fundraising und die Eigenleistung des ZEGG. Erst dieses Zusammenspiel schafft die finanziellen Handlungsspielräume für Projekte dieser Größenordnung.

Fördermittel entstehen allerdings nicht nur am Schreibtisch. Oft beginnen sie mit einer Begegnung, einem Hinweis oder einem Gespräch zur richtigen Zeit. Deshalb freuen wir uns auch über Eure Augen und Ohren: Vielleicht entdeckt Ihr einen passenden Förderaufruf oder kennt jemanden, der eine Tür öffnen könnte? Dann antwortet gerne direkt auf diesen Newsletter. Manchmal beginnt aus einem kleinen Impuls etwas ganz Großes.
Danke das du diesen Weg mit uns gehst. Deine Verbundenheit, Beiträge, Ideen und Kontakte schaffen Spielräume, die weit über finanzielle Unterstützung hinausgehen. Sie tragen dazu bei, dass das ZEGG auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Menschen Gemeinschaft, Frieden, ökologische Verantwortung und bewusstes Leben gemeinsam erforschen, gestalten und in die Welt tragen.

Von Sina Marie Brendel