
Auf die Frage, was wir „anders“ machen, erzählen wir gern, dass wir viel teilen: Wohnungen, Waschmaschinen und eben auch Autos. Aber wie gestaltet sich das genau?Wir haben inzwischen einen respektablen gemeinsamen Fuhrpark – aber das war nicht immer so. Noch vor ein paar Jahren dominierten klar die privaten PKWs. Die wurden natürlich auch geteilt, aber ich stelle es mir mühsam vor: wenn man spontan eins braucht, muss man einen Überblick haben, bei wem das passende Auto zu leihen wäre.
Dann versuchen, den zu erreichen... Als ich vor zehn Jahren ins ZEGG kam, war das schon ein wenig einfacher: es gab drei geteilte Autos, die man spontan buchen konnte. Na ja, Buchen... es gab pro Auto einen Zettel im Inforaum, wo man im Zeitraster „Vormittag/Nachmittag/Abend“ per Bleistift eine Reservierung eintragen konnte. Wer sich verspätete, musste versuchen, zu Hause anzurufen: „Kannst du bitte mal schauen, wer nach mir drinsteht, und sagen, dass ich eine Stunde später...?“. Über andere Listen konnte man übertragbare Fahrkarten buchen, um günstig nach Berlin zu fahren. Das lief weitestgehend gut, bis auf die Sommer, wo die drei Autos dann plötzlich für Urlaubsreisen genutzt wurden, und die Daheimgebliebenen saßen auf dem Trockenen, mit nichts als ihren Buchungszetteln.
Ein wesentlicher Fortschritt war, als wir um 2018 ein elektronisches Buchungssystem einführten. Das war unerhört: man musste nicht mehr in den Inforaum laufen, um zu schauen, ob ein Auto frei ist! Um sich einzutragen, oder später vielleicht auch wieder auszuradieren! Nein, das ging plötzlich auch vom heimischen Notebook aus. Es ging (das haben in den ersten Jahren viele mutmaßlich gar nicht realisiert) sogar von unterwegs. Wer sich verspätete, konnte plötzlich selbst die Buchung verlängern und schauen, ob es zu einer Kollision kommt.
Parallel kamen weitere Autos dazu, und um das in eine vernünftige Form zu gießen, gründeten wir 2021 den RosaLuxMobil e.V. als Träger für unsere geteilte Mobilität. Das brachte erst mal viel Bürokratie mit sich, aber eröffnete auch ganz neue Möglichkeiten. So wuchs das Angebot stetig – auf inzwischen zehn Autos, zwei Fahrkarten und drei E-Bikes/Lastenräder.
2023 haben wir erneut die Buchungsplattform gewechselt, weil wir aus der vorigen herausgewachsen waren. Und haben damit die Möglichkeit geschaffen, bei Bedarf auch Mobilität mit benachbarten Gemeinschaften wie dem LiF zu teilen, was die Vielfalt weiter erhöht.
Privat-PKWs haben wir natürlich immer noch, und über Jahre änderte sich an der Zahl auch nicht viel. Erst in den vergangenen zwei Jahren gab es einen merklichen Rückgang. Manche gaben ihr Auto an den Verein ab oder ließen ihres los, als es zu alt wurde, ohne ein neues zu kaufen. Menschen, denen man es nie zugetraut hätte, fingen an nachzudenken, ob sie wirklich ein eigenes Auto brauchen, oder ob vielleicht auch dieses Carsharing... Das ist ein jahrelanger, langsamer Prozess, wo es immer aufs Neue darum geht, das Vertrauen der Gemeinschaft zu gewinnen und zu behalten. Denn Meldungen wie „Ich hatte Auto xy gebucht, aber es war nicht da!“ bleiben auch bei uns nicht aus. Und wir tun halt unser Möglichstes, dass das die absolute Ausnahme bleibt. Die Statistik zeigt deutlich, dass das eigene Auto im ZEGG an Bedeutung verliert. Und wenn nicht jedes Jahr erneut Menschen einziehen würden, die wieder Autos mitbringen, die sie verständlicherweise nicht sofort loslassen, dann wären wir noch ein paar Schritte weiter.
Gerade las ich in einem Buch: „Verkaufen Sie bitte Ihr Auto. (...) Sie sind nun vom TÜV-Zwang befreit. Sie müssen nicht mehr auf dieses seltsame Bremsgeräusch hören. Sie können sich von ihrer Werkstatt verabschieden. Sie brauchen Autoschlüssel und Wagenpapiere nicht mehr zu suchen. (...) Seien Sie vorsichtig. Sie haben mit einem Schlag so viel Zeit eingespart, dass Sie das Nichtstun kalt angehen könnte.“ (aus: Björn Kern – Das Beste, was wir tun können, ist nichts).
Das ist ein bisschen lustig, denn ich habe in meinen ersten ZEGG-Jahren das Auto verkauft, mit dem ich herkam, um anschließend maßgeblich dieses Carsharing mitzugestalten. Und plötzlich horche ich bei zehn Autos auf seltsame Bremsgeräusche, behalte zehn TÜV-Termine im Blick, und laufe zehn Autoschlüsseln hinterher... Meine Zeitersparnis hält sich also in Grenzen, aber im Gegenzug habe ich Tag und Nacht Zugriff auf einen Mobilitätspool, der seinesgleichen sucht. Und das ist dann eben wieder cool, dass das ZEGG ein Ort ist, wo man so was machen kann. Weil wir groß genug sind, dass sich das trägt, und weil zum Glück auch immer wieder Menschen mit anpacken, um diesen eigenen kleinen Mikrokosmos am Laufen zu halten.