
Schnüffeln, Abenteuer, Emotionen und Kreise – mit Herz und Pfoten im ZEGG-Alltag.
Ich wache nicht einfach auf. Ich wache auf, wenn er aufwacht. Noch bevor er richtig aufsteht, weiß ich: Jetzt beginnt der Tag. Seit zwei Jahren ist er an unserer Seite, und ich merke sofort, wenn sich etwas bewegt. Wenn er das Zimmer verlässt, bleibe ich noch kurz liegen. Nur kurz. Dann springe ich zu ihr ins Bett.
Sie ist mein Mensch. Schon immer. Seit ich ein Welpe war. Ich drücke mich an sie, rolle mich zusammen, atme ihren Geruch ein. Noch ein bisschen schlafen. Noch ein bisschen Nähe. Noch ein bisschen wir.
Das Morgenritual: WG-Check-In.
Dann stehen wir auf und es geht in die Küche. Sie setzt sich zu den Menschen aufs Sofa. Sechs Menschen wohnen mit uns – also sind wir acht. Ich begrüße alle persönlich, hole mir Streicheleinheiten und überprüfe die Stimmungslage. Dann sitze ich auf meinem Platz in der Küche. Beobachte das menschliche Ritual: Einer redet, Piep-Geräusch, der nächste ist dran und wieder ein Piepen (…). Bis alle gesprochen haben. Mit den Menschen hier wohne ich gerne. Der eine gibt mir Joghurtwasser und sagt oft, wie hübsch ich bin. Recht hat er. Der andere nennt mich „Gumminase“ und freut sich dabei so, dass es etwas Gutes sein muss. Eine hat Teppiche wie Wolken. Dort liege ich besonders gern. Mit der nächsten war ich schon Fahrradfahren: Wind im Fell, Tempo, Freiheit – toll war das. Die restlichen zwei lernen noch, wie man mich richtig bewundert. Wir hatten noch nicht so viel Kontakt, aber ich bin geduldig und wir werden noch Freunde. Menschen sind immer Freunde.

Freiheit und Gartenarbeit
Dann sind die Menschen fertig und es gibt Frühstück. Danach geht sie mit mir raus. Leine dran – na gut. Manche Menschen haben wohl Angst vor Hunden. Sobald wir das Gelände verlassen haben, wird die Leine abgemacht.
Gras unter den Pfoten.Wind in der Nase. Wiesen, Bäume, Himmel. Freiheit.
Danach geht es in den ZEGG-Garten zu ihm, zur Arbeit. Ich helfe und buddle Maulwurfshügel.Tief. Konzentriert. Mit vollem Körpereinsatz. Bis er „Stopp“ sagt. Später liege ich da und beobachte. Wie die Menschen buddeln, säen, ernten. Von hier nach dort laufen, bis die Zeit um ist.

Mittagszeit
Dann geht es Richtung Restaurant. Rein darf ich nicht, aber draußen ist es auch gut – besonders auf der Terrasse. Dort sitzt manchmal dieses kleine Kind. Sobald sie mich sieht, ruft sie: „Wau wau!“ Ich setze mich in ihre Nähe. Sie lässt regelmäßig Essen fallen. Ein vielversprechender Mensch. Nach dem Essen geht es nochmal raus: Waldwege, Feldränder, Heilortwiese. Sonne im Fell. Wind in den Ohren. Vielleicht noch ein Maulwurfshügel. Zeit mit ihr oder ihm, Joggen mit anderen Menschen. Eine gute Zeit!

Foto: Andreas Zierhut
Die großen Kreise und Treffen
Später folgt oft wieder eine Menschenansammlung, mit vielen Menschen. Sie reden hier viel, sehr viel. Ich rieche Aufregung, Sorge, Mut, Traurigkeit, Freude. Die Menschen reden, fühlen, bewegen sich. Sie lachen, weinen, diskutieren, atmen tief durch. Ich liege daneben und passe auf. Manchmal lege ich mich still zu jemandem. Lehne mich an ein Bein. Dann wird der Atem ruhiger. Stimmen werden weicher.
Ich bin einfach da.
Tagesende und Ausblick
Abends dann WG-Küche. Mein Futter. Ihr Essen aus dem Restaurant. Sofa. Sehr guter Ort. Ich bin hier fast nie allein. Zum Glück. Mal viele Menschen, mal nur sie, mal beide, manchmal sogar Dorfkneipe. Ich döse. Ich kuschle. Ich beobachte. Manchmal vermisse ich unser altes Zuhause – den See, Hundefreunde, vertraute Wege. Aber hier ist es auch gut. Mehr draußen und dauernd neue Menschen, neue Gerüche. Viel zu entdecken. Ich freue mich jedes Mal, wenn jemand anreist. Kinder, die mich mögen. Menschen, die mich streicheln und keine Hunde, die mich beißen. Ein Platz mitten im Geschehen und in Gemeinschaft. Seit einem Jahr. Ein tolles Leben.
von Marie Sina Brendel