photo 2026 06 19 13 17 45Dass wir bauen wollen, dürfte sich unter am ZEGG Interessierten herumgesprochen haben. Endlich ein Wohnhaus, welches unseren gemeinschaftlichen und ökologischen Wünschen entspricht! Eines, welches flexibel für unterschiedliche WG- und Familienbedürfnisse anpassbar ist und mit welchem wir ein Beispiel geben können für ökologisches Bauen.

Vorgeschichte

2009 haben wir, um überhaupt die Möglichkeit zum Bauen haben zu können, einen Bebauungsplan für das ZEGG Gelände auf den Weg gebracht. Acht (!) Jahre später wurde er von der Belziger Stadtverordnetenversammlung abgestimmt und beschlossen. Zu der Zeit hatten wir erstmal anderes zu tun: Der große Umbau unseres Hauptgebäudes verlangte unser Geld und unsere Energie.

Vor knapp drei Jahren haben wir eine Genossenschaft gegründet, um ein sinnvolles juristisches Gefäß für die Abwicklung eines Neubaus zu haben – eine gemeinnützige GmbH ist dafür eher ungeeignet. Die ZEGG-Wohnen eG ist mittlerweile zuständig für die Organisation des gesamten privaten Wohnens im ZEGG und übernimmt die Bauträgerschaft für den Neubau. Kurze Zeit später begann die Gruppe ‚Kaenguru‘ mit der Arbeit („Kreis aller essentiellen Neubaufragen, Gemeinschaftsprozess, Umsetzung, Reichtum, Umwelt“, siehe wir bauen...). In einem intensiven gemeinschaftlichem Prozess hat die Gemeinschaft ein gutes halbes Jahr später entschieden, welches Architekturbüro den Bau planen und begleiten soll. Es soll ein dreistöckiges Wohnhaus für rund 20 Bewohnende werden, dessen Wände aus Holz und Strohballen bestehen. Eine bewährte und ökologische sehr sinnvolle Methode. Björn, der mit seiner Familie seit 13 Jahren im ZEGG wohnt und Mitarbeiter im beauftragten Architekturbüro ist, hat viel Expertise darin. Er hatte zuvor im Ökodorf 7 Linden gelebt, in dem fast alle Gebäude Strohballenhäuser sind.

Bauantrag

Vor knapp einem Jahr war die Planung abgeschlossen, im August letzten Jahres wurde der Bauantrag abgegeben. Geplant war ein Baubeginn im April oder Mai dieses Jahres.Alle zulässigen bauvorbereitenden Maßnahmen sind erledigt. Aber der Bauantrag ist nach knapp einem Jahr immer noch nicht bewilligt. In der Generalversammlung der Genossenschaft am 8. Juni 2026 erläutert Justus Matthias, unser Architekt, den Stand der Dinge und sagt „wir sind auf der Zielgeraden“. Und dann fügt er einschränkend hinzu: „Aber das habe ich vor vier Wochen auch schon gesagt“. Am späteren Nachmittag hat er einen Termin beim Belziger Bauamt. Es könne der finale Termin sein, sagt er uns, und wir mögen ‚düsen‘, dass alles klappt. Die Generalversammlung legt fünf Meditationsminuten ein zum Zeitpunkt, an dem das Treffen stattfindet, um den Vorgang geistig-spirituell zu unterstützen. Es hat leider nichts genutzt. Statt mit der Zusage einer Baugenehmigung ging Justus mit einer Liste von zehn weiteren Dingen aus dem Treffen, die das Bauamt noch zusätzlich haben möchte.Ein Ende ist noch nicht abzusehen. Der Punkt ‚jetzt müsste es klappen‘ war schon öfters erreicht. Und so jetzt stehen wir da und scharren mit den Füßen…

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Zeitsprung 13 Jahre zurück

Aber wir kennen das schon. Im Frühling 2013, als der große Uni-Umbau starten sollte und alles bereit war, haben wir viele Wochen sehnsüchtig auf den ‚roten Punkt‘, die Baufreigabe, gewartet und hatten, ähnlich wie jetzt, die Angst ‚die Zeit läuft uns davon‘ – Bauen hat ja auch immer etwas mit Wetter und Jahreszeiten zu tun. Damals hat es ja letztendlich geklappt, und das wird auch jetzt wieder so sein. Wir müssen lernen, die richtige Balance zu finden zwischen Aktivismus und Hingabe. Das Thema gibt es ja auch sonst öfters im Leben.

Finanzierung

Beim zweiten großen Thema des Neubaus sieht es ähnlich aus. Durch die Einlagen der Genossenschaftsmitglieder und die Unterstützung unserer Communityfunding-Kampagne zum ‚Haus der Möglichkeiten‘ ist das notwendige Eigenkapital zusammengekommen. Schon vor Monaten wurde der Kreditantrag bei der GLS Bank gestellt, wo wir seit vielen Jahren Kunde sind. Aber der Prozess ist zäh und die finale Zusage ist immer noch nicht da. Und die angestrebte Förderung für ökologisches Bauen über zinsgünstige KfW-Kredite ist abhängig von einem ‚Go!‘ der Hausbank. Auch in dieser Hinsicht wähnen wir uns ‚auf der Zielgeraden‘ und müssen doch uns eingestehen, dass auch das schon seit einigen Monaten so ist.

Wenn wir sagen ‚das nötige Eigenkapital ist zusammengekommen‘ heißt das leider nicht, dass wir uns in finanzieller Hinsicht entspannen können. Der Bau wird teuer werden, und vermutlich noch teurer, als wir es jetzt kalkulieren, denn alles wird zur Zeit teurer aufgrund der aktuellen politischen Lage und dem Steigen der Transport- und Rohstoffpreise.So haben die Angebote der Firmen nur eine begrenzte Gültigkeitsdauer und können danach höher ausfallen. Wir freuen uns also nach wie vor über Unterstützung! Auf der Homepage http:/www.hausdermöglichkeiten.de findet ihr alles Wissenswerte dazu, und auch viele weitere Informationen über das geplante Projekt.

Eine Möglichkeit, den Bau als gemeinschaftliches Ereignis mit vielen Freunden zusammen zu organisieren und zugleich die Baukosten zu senken ist es, einen Teil der Arbeiten in Eigenleistung zu erbringen und als Mitmach-Baustelle zu organisieren. Bestimmte Phasen beim Bau eines Strohballenhauses eignen sich besonders gut dafür. Für die Phase des Strohballen-Einpressens und die des Lehmputzes laden wir alle Menschen ein, die Lust haben auf handfestes gemeinschaftliches Arbeiten, für eine bestimmte Zeit (mindestens eine Woche) gegen Kost und Logis ins ZEGG zu kommen und uns zu unterstützen. Es braucht keine besonderen Vorkenntnisse, aber die Bereitschaft, sich einzulassen, und es gibt mit Sicherheit unter fachkundiger Anleitung viel zu lernen! Genaue Zeiten dafür können wir noch nicht fest zusagen (s.o.) – wer grundsätzliches Interesse hat, möge sich über den Link
https://www.hausdermöglichkeiten.de/unterstuetzen melden und erfährt dann näheres. Und falls du es dir nicht vorstellen kannst jedoch einen Menschen kennst, der/die schon immer mal lernen wollte wie Häuser mit Stroh- und Lehm gebaut werden gib den Link gern weiter!

PS: Kurz vor Redaktionsschluss dieses Newsletters erreichte uns die Nachricht unseres Architekturbüros, dass die Zimmerei, die den Auftrag für den Abbund des Holz-Ständerwerks bekommen soll, erst zehn Wochen später liefern kann als bislang mündlich zugesagt. Wir sind sowieso schon etwas hinter dem ursprünglichen Zeitplan, aber mit dieser zusätzlichen Verzögerung würde sich der Einbau der Strohballen und der Putz bis in November/Dezember verschieben. Witterungsbedingt ist das für einen Strohbau jedoch zwingend zu vermeiden. Deshalb hat sich die Genossenschaft und die Gemeinschaft schweren Herzens entschieden, den Baubeginn auf das nächste Frühjahr zu verlegen.