03 IZ September 2026
von Georg Lohmann

Es ist jedes Jahr das Gleiche: Seit 35 Jahren trifft sich die ZEGG-Gemeinschaft im September zu einer Intensivzeit – zur Gemeinschaftspflege, zur gemeinsamen Beratung, zum Besprechen der nächsten Schritte. Und es ist jedes Jahr anderes. Und in diesem Jahr war es besonders ‚anders ‘!Direkt nach dem Fest zur 35-Jahr-Feier ging es los. „Das ZEGG ist wieder heller geworden – nach vielen dunklen Jahren!“ so fasste eine Teilnehmerin ihre Eindrücke zusammen und sprach damit eine Einschätzung aus, die von vielen geteilt wurde.

Viele Teilnehmende

Diese IZ, wie die Intensivzeiten neuerdings oft abgekürzt werden, war außergewöhnlich gut besucht. 62 Menschen wurden bei der Eröffnungsveranstaltung gezählt. Und fast nie wurden es im Verlauf der acht Tage (im Verlauf von zwei aufeinander folgenden Wochen ganztägig jeweils Sonntag bis Mittwoch) weniger als 40 Menschen. Denn natürlich können nicht immer alle Gemeinschaftsmitglieder teilnehmen. Arbeit, Familie und sonstige Verpflichtungen laufen ja weiter. Man muss sich freinehmen für diese Zeit, und nicht alle wollen oder können kostbare Urlaubstage dafür opfern. Vor diesem Hintergrund war die Anzahl der Teilnehmenden schon bemerkenswert.

04 IZ September 2026

Leitungsteam

Geleitet wurde die IZ von einem Team von Menschen aus der Gemeinschaft, von Barbara, Eva, Martin Li. und, in der zweiten Woche, Steffi. Und in der ersten Woche war Capra Carruba mit dabei – eine Deutsche, die seit 25 Jahren in der italienischen Gemeinschaft Damanhur lebt und Expertin ist in der Prozessarbeit nach Arnold Mindell. Wir laden regelmäßig Referent*innen von außerhalb zu unseren Intensivzeiten ein. Meistens sind dann diese Experten – in den letzten beiden Jahren Jascha Rohr, davor waren es mehrfach Vivian Dittmar und Clinton Callahan – unbestritten auch die jeweiligen Leitungsfiguren der jeweiligen Intensivzeit. Diesmal war es anders: Geschmeidig wie meines Wissens nie zuvor eine externe Leitung agierte Capra ‚auf Augenhöhe‘ mit den anderen Teammitgliedern – und brachte zugleich wirkungsvoll ihre spezielle Expertise mit ein.

Zwei Jahre zuvor – die Wunden aus einer harten Konfliktzeit während der Covid-Jahre waren noch nicht voll verheilt – hatte Jascha Rohr der ZEGG-Gemeinschaft ziemlich ‚die Leviten gelesen‘: Ökonomisch und organisatorisch nicht nachhaltig aufgestellt seien wir. Die Generationsübergabe hätten wir verschlafen. Eine gewisse Hybris der frühen Jahre sei noch nicht voll überwunden. Wir mussten ganz schön schlucken bei seinen Diagnosen.

02 IZ September 2026

Transformationsprozess

In der Folge jener IZ im September 2024 war das ‚Trafo-Team gegründet worden, um den nötigen Transformationsprozess in eine nachhaltige Zukunft zu initiieren und zu begleiten. Jetzt, zwei Jahre später, wirkt es, als könnten wir beginnen, die Ernte dieser Arbeit einzufahren.

Wir hatten in der Zwischenzeit zwar noch relativ vage, aber doch weitreichende Beschlüsse gefasst: Begrenzung des Einstiegsalters auf 47 Jahre (begründete Ausnahmen sind möglich), Wachstum der Gemeinschaft auf ca. 120 Gemeinschaftsmitglieder (plus Freiwillige, Praktikanten, Saisonmitarbeiter etc.), größere Offenheit für hinzuziehende Familien mit Kindern („mindestens 12 %“).

Das war für viele durchaus herausfordernd und löste neben Freude auch Ängste aus. All das konnte in dieser IZ ‚in die Mitte gebracht‘ und mit den Methoden der Prozessarbeit (und anderen) weiterbewegt und in mancher Hinsicht auch gelöst werden.

05 IZ September 2026

Generationswechsel

Ein zentrales Thema dieser IZ war das Zusammenwirken der Generationen. Viele der über 6ojährigen empfinden, dass noch zu viel Verantwortung auf ihren Schultern liegt oder lastet, die sie gerne abgeben würden. Viele der Jüngeren empfinden sich als ‚ausgebremst‘ in ihrem Wunsch, Neues zu Implementieren und wirksam zu sein. „Wirksamkeit der Neuen ermöglichen – Erfahrung der Älteren würdigen“, so wurde eine neue Haltung zu diesem Thema auf einem der vielen Flipchart-Blätter zusammengefasst.

Bezugsgruppen

Eine Neuerung dieser IZ: Im Vorfeld waren, auf der Basis eines Fragebogens und mit Computerhilfe, sogenannte Affinity-Gruppen zusammengestellt worden von jeweils 5-6 Menschen, die sich regelmäßig (ideal: täglich) während der IZ oder auch darüber hinaus treffen sollten als ‚soziales Gefäß‘. Für viele war das eine beglückende Erweiterung, für andere allerdings auch ein weiteres Element von ‚zu viel‘. Das Experiment wird ausgewertet und soll fortgesetzt werden.

07 IZ September 2026

Commitment

Ein - hier etwas generalisierter – Dissens zwischen ‚Jungen‘ und ‚Alten‘ betraf das Thema Commitment (was etwa mit Selbstverpflichtung oder Verbindlichkeit übersetzt werden kann). Das alte Paradigma: Wirksamkeit wird möglich, wenn Menschen ein Commitment haben, für eine Idee, die Gemeinschaft, das ZEGG, ein Projekt oder ähnliches. Diesen Gedanken haben wir umgedreht: Sobald Wirksamkeit im persönlichen Tun erfahren wird, folgt Commitment mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Was trägt? Was macht Druck?

Diese Fragen haben uns einen ganzen Vormittag lang beschäftigt. Zitate aus der Zusammenfassung zur Frage ‚was trägt‘ lauteten: „viel Zugehörigkeit“, „große Wertschätzung“, „lebendige kulturelle Ressourcen“, Bereitschaft für Zukunft“. Zur Frage ‚Was macht Druck?‘ wurde aufgelistet: Überlastung“, „unterschiedlicher Grad von Commitment“, „fehlende Bleibeperspektiven (Geld, Wohnung)“ und „ungleiche Verteilung von Verantwortung“.

…die, die selten kommen

Eine Neuerfindung dieser IZ war ein Abend, zu dem speziell diejenigen ganz persönlich eingeladen wurden, die bei Intensivzeiten nur ganz selten dabei sind. Sieben Menschen, alles Männer über 60, waren dieser Spezialeinladung gefolgt und sprachen zu sich im Kreis der sonstigen Teilnehmenden. Viele der Jüngeren wussten nur wenig über deren Wirken, und es war bewegend zu hören, wie viel wichtige Hintergrundarbeit auch diese Menschen leisten, die wenig sichtbar sind bei den gemeinschaftlichen Treffen.

Kreativität

Ein Highlight war sicher jener Nachmittag, an dem die Gemeinschaft, aufgeteilt in 6er-Gruppen, spontan szenische Improvisationen zum Thema „44 Jahre ZEGG“ entwarf und zur Aufführung brachte und damit die gar nicht allzu ferne Zukunft des ZEGG im Jahr 2037 beleuchtete. Ein ‚Outburst‘ an Kreativität und Gestaltungsfreude war das, der viel Heiterkeit erzeugte, aber auch sehr ernstzunehmende Ideen enthielt.

01 IZ September 2026

Wen wollen wir anziehen, und wie?

Die Gemeinschaft will wachsen, und die Frage steht im Raum, wie das gehen soll. Das Trafoteam hatte einiges dazu vorbereitet. Grundidee: Nicht klassische Werbung schalten (zumindest nicht in erster Linie), sondern ‚Magnetismus‘ entfalten, der unsere vielen Besucher und Freund*innen auf die Idee bringen könnte, hier einsteigen zu wollen. Ob der Höchstalter-Beschluss eine weise Entscheidung war, wurde mehrfach in Frage gestellt, aber genauso von vielen verteidigt. Und zumindest erstmal bleibt er. Klar ist: Wir brauchen tatkräftige und ideenreiche Menschen vor allem in der jüngeren und mittleren Generation, die Lust haben, das Werk der letzten 35 Jahre fortzuführen und weiter zu entwickeln. Ideen dazu, wie unser relativ kompliziertes Einstiegs-Prozedere vereinfacht werden könnte, wurden zumindest angedacht und werden in den entsprechenden Gruppen weiterbewegt werden.

… auf den Boden bringen

Immer wieder ging es darum – und da haben wir viel dazugelernt in den vergangenen Jahren - die kreativen Ideen ‚auf den Boden‘ zu holen. „Wer? – Was? – bis wann?“ diese Fragen wurden immer öfter deutlich gestellt und suchten nach Antworten, damit es nicht bei einem ‚schön, dass wir mal drüber geredet haben‘ bleibt. Das betraf vor allem die Themen Verantwortungs-Weitergabe, Ideen zur Ökonomie und zu den Festivals. Letztere Veranstaltung war im Vergleich zu Vorjahren besonders gut besucht. Es gab eine große Fülle von Ideen, und alle Leitungsteams für das kommende Jahr sind jetzt schon gefunden! Da gab es etwas zu feiern, und alles in allem war die diesjährige Intensivzeit dazu angetan, mit Vorfreude auf das kommende Jahr zu schauen.

06 IZ September 2026

Ernten und Einkochen

Wie immer in den letzten Jahren war der letzte Tag der Intensivzeit dann der Ernte im ganz praktischen Sinne gewidmet: Tomaten, Äpfel, Birnen und Pfirsiche sind gerade reif! Und so führten wir viele relevante Gespräche beim gemeinsamen Ernten, Schnibbeln und Einkochen.

09 IZ September 2026