
Fünf Tage, Samstag bis Mittwoch. Vormittags und auch Nachmittags. Immer waren es zwischen 30 und 45 Gemeinschaftsmitglieder, die sich diese Zeit genommen haben, unbezahlt, um über die Zukunft des ZEGG nachzudenken und wichtige Weichenstellungen auf den Weg zu bringen. Auch von den Einsteigenden und Freiwilligen waren immer einige dabei.
Der Jahreszyklus unserer Intensivzeiten
Im Winterhalbjahr, wenn der Gästestrom nachlässt, sind eine Reihe von Intensivzeiten seit vielen Jahren verlässlicher Teil unseres Jahreszyklus: Im September die Programmzeit, wo wir uns nach dem trubeligen Sommer wieder zusammenfinden und (unter anderem) einen Blick auf die programmatische Ausrichtung des Folgejahres werfen und die Grundsteine legen für die großen Festivals. Im Dezember, wo wir uns vor allem auf der sozialen Ebene als Gemeinschaft wieder miteinander verbinden. Im Januar, wo es viel um das Thema Liebe geht. Und Ende Januar / Anfang Februar eben die Struktur-Intensivzeit, in der es viel um Zahlen geht, um Finanzen und strukturelle Veränderungen. Und in der auch Beschlüsse gefasst werden können – im Prinzip gilt jede Einheit der Intensivzeit als beschlussfähige Vollversammlung. Aber wir haben gelernt, dass Spontaneität in dieser Hinsicht oft Unfrieden schafft – wenn eine Entscheidung anstand, wurde dies vorab angekündigt inklusive schriftlicher Beschlussvorlage.

Geschäftszahlen
Wichtiger Teil der Intensivzeit war der Blick auf wichtige betriebswirtschaftliche Kennzahlen. Anders als in frühen Jahren, wo diese erst mit großer Verspätung vorgestellt werden konnten, sind wir jetzt dank fittem Finanzteam und besserer Software tatsächlich in der Lage, diese bereits kurz nach Jahresende zu präsentieren. Zwar sind die Zahlen noch vorläufig, aber die Tendenzen sind klar erkennbar. Im September 2024 hatten wir entschieden, das Personalbudget für 2025 erheblich aufzustocken, um bis zu 300.000 € - ohne schon zu wissen, woher das Geld dafür kommen würde. So war die Spannung und bei manchen auch die Sorge beim Blick auf die Geschäftszahlen recht groß. Und umso größer war die Erleichterung: Auch 2025 wird das Geschäftsergebnis einen Gewinn in der Größenordnung eines hohen fünfstelligen Betrages ausweisen. Es scheint zumindest vorerst, dass sich die Investition gelohnt hat. An vielen kritischen Stellen unserer Personal-Infrastruktur ist Ruhe eingetreten. Empfang, Gästehaus, Finanzbüro, G-Team, Dorfkneipe – langjährige ‚Sorgenkinder‘ in der betrieblichen Struktur arbeiten effektiv und in guter Kooperation, und daran hat sicher nicht nur, aber auch die bessere finanzielle Ausstattung einen Anteil. Die Gästezahlen sind ein wenig, aber nur im Rahmen der üblichen Schwankungen zurückgegangen, und es scheint, dass mehr als früher oft die Mitarbeitenden ‚ihren richtigen Platz‘ gefunden haben.

Zahlenspiele
Ein schönes, faszinierendes Highlight im Rahmen unserer Beschäftigung mit den vielen Zahlen war es immer wieder, wenn Fritz – Mitarbeiter im Gästehaus, Gruppenleiter, Delegierter unseres Sozialsterns und von Beruf Diplom-Mathematiker – uns die ‚Zahl des Tages‘ vorstellte und mit einer der vorgestellten Zahlen, zum Beispiel mit dem zu erwartenden Betriebsergebnis von rund 85tausend €, in atemberaubendem Tempo verblüffende Zahlenspielereien anstellte, Primfaktorzerlegung, Quersummen, Wurzeln, Potenzen und vieles mehr, wovon die Mehrzahl zuletzt in Schulzeiten gehört hatte
Kinder
Nachdem bereits in der September-Intensivzeit die Entscheidung gefallen war, dass wir mittelfristig die Zahl der Bewohnenden auf 120 Menschen anheben wollen (https://www.zegg-gemeinschaft.de/de/aktuelles/zegg-september-intensivzeit-2025), haben wir uns diesmal ausführlicher mit dem Thema ‚Kinder im ZEGG‘ beschäftigt. Und entschieden, dass wir die Anzahl der hier lebenden Kinder wieder vergrößern wollen, und uns öffnen wollen auch für Familien, die hier mit Kindern einziehen möchten – was in den vergangenen Jahren oft nur schwer bis gar nicht möglich war. Wir haben uns mit verschiedenen möglichen Zukunftsszenarien beschäftigt und sie in spielerischer Form dargestellt, - von ‚ziemlich düster‘ bis ‚leuchtend hell‘ - und dabei gemerkt, dass ‚mehr Kinder am Platz‘ zwar zunächst eine Investition bedeutet – aber langfristig für das Weiterbestehen des ZEGG lohnend und wichtig ist.

Garten
Auch unser großer Biogarten und das Gärtnerteam bekam viel Aufmerksamkeit. Vor zwei Jahren hatte das ZEGG die kränkelnde ‚SoLaWi‘ (Solidarische Landwirtschaft) unseres Nachbarortes Lübnitz übernommen. Zur Überraschung von vielen gelang es, diese SoLaWi so zu führen, dass zwar immer noch ein Verlust entstand, sich dieser aber mit Summa Summarum minus 41 € wirklich in engen Grenzen hielt. 35 Tonnen Obst und Gemüse wurden 2025 für das ZEGG produziert und wanderten mit kürzesten Transportwegen in unserer Großküche, die Bewohner und Gäste versorgt. Wenn alle Kosten einbezogen werden arbeitet der Garten zwar nach wie vor nicht so wirtschaftlich wie ein gärtnerischer Großbetrieb, aber einen gewissen Verlust als Gemeinschaft zu tragen hatten wir bereits vor vielen Jahren beschlossen zugunsten gesunder und regionaler Küche. Und dass im ZEGG-Garten mittlerweile zwei Ausbildungsplätze zum staatlich anerkannten Gärtner im Gemüseanbau zur Verfügung stehen und stark nachgefragt werden, fand natürlich auch viel Beifall.
Ausblick
Einen Ausblick auf die nächsten Jahre gab Heinz, der im Geschäftsführungsteam mitarbeitet: Bislang ist das gesamte ZEGG, Grund und Boden und alle Gebäude, im Eigentum der gemeinnützigen ZEGG Bildungszentrum gGmbH. Wenn im Fall einer krassen Krise, zu denen wir auch mögliche oder sogar erwartbare disruptive gesellschaftliche Krisen zählen, das ZEGG verkauft werden müsste, darf das ZEGG von Verkaufserlös nach Begleichung der Schulden gerade mal soviel behalten, wie ursprünglich vor 35 Jahren als Gesellschaftskapital eingezahlt wurde – rund 250tsd €, obgleich der Wert des Objekts mittlerweile auf mehrere Millionen € eingeschätzt wird. Der gesamte Rest muss laut Satzung des Trägervereins aufgrund der Gemeinnützigkeit an eine Organisation mit ähnlicher Zielsetzung gespendet werden. Da das ZEGG mit einer Eigenkapitalquote von rund 20 % nach wie vor recht hoch verschuldet ist, ist die Situation also auf Dauer recht fragil. Es gab Gedanken und Vorschläge dazu, wie diese Situation zu verändern sei, um sich langfristig gegen Krisen und deren Auswirkungen auf das ZEGG abzusichern: Auslagerung der Bildungszentrum gGmbH, Bildung einer neuen Gelände GmbH, gemeinnützige Wohnungs-Genossenschaft – solche Begriffe schwirrten in Raum. Das anzugehen bedeutet mit Sicherheit das ‚Bohren dicker Bretter‘. Aber alle Anwesenden begrüßten es, dass das Thema aufkam, und dass wir mit Heinz jemanden in unserer Mitte haben, dem die Beschäftigung mit solcher Materie sogar nach Eigenaussage ‚ein gewisses Maß an Vergnügen‘ bereitet.
Rückblick auf die Intensivzeit
In der abschließenden Runde, in der nach einschätzenden Stimmen zu dieser Intensivzeit gefragt wurde, war das Resümee fast ausnahmslos positiv. Es fielen Begriffe wie „erwachsen“, gut vorbereitet und geleitet, „nicht im Krisenmodus“, „ZEGG refurnished“, „vertrauensvoll“ und „schöne Stimmung“. Es gibt Grund, mit Hoffnung und Zuversicht in die jetzt beginnende Gästesaison zu starten!
von Georg Lohmann